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Die Philippsbuche

An der Westgrenze des ehemaligen Landkreises Biedenkopf am Staffelböll, nicht weit von der Abzweigung der nassauischen Strecke Siegen-Dillenburg von dem Weg nach Marburg, der sich noch heute als Feldweg durch die Simmersbacher Gemarkung nach Oberhörlen hinzieht, da wo sich der Wanderer, der von Westen herkommt, zuerst ein Blick ins Hessenland auftut, stand eine über 400 Jahre alte Buche.
Treue Untertanen Philipps des Großmütigen pflanzten einen Baum an der Stelle, an dem am 10 Sept. 1552 ihr Landgraf nach fünfjähriger Gefangenschaft wieder als freier Mann hessischen Boden betrat.

Die Buche und der Gedenkstein, die hier standen, waren allmählich dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. An ihrer Stelle wurde anläßlich der 400-Jahr_Feier zum Gedenken an die Heimkehr des Landgrafen ein Sämling der alten Buche frisch gepflanzt und die Gedenkstätte neu gestaltet.

In den harten Kämpfen Karls V. mit den protestantischen deutschen Fürsten war im Schmalkaldischen Krieg der Sache der Reformation ein schwerer Schlag versetzt worden. Durch den Verrat des Moritz von Sachsen war Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen in die Hand des Kaisers gefallen. Die alte Lutherstatt Wittenberg trug eine kaiserliche Besatzung. Landgraf Philipp von Hessen fühlte sich und sein Land bedroht und unterwarf sich deshalb dem Kaiser auf der Moritzburg zu Halle. Bei dem nachfolgenden Abendessen im Quartier des Herzogs von Alba wurde er gefangen genommen. Der Kaiser schleppte ihn zuerst mit sich auf seinen Wegen in Süddeutschland und am Rhein und ließ ihn dann in den NIederlanden, in Qudenarde und Mechelen einkerkern. Von seinem Gefängnis aus gab Philipp seinen Söhnen und Beamten Ratschläge und Anweisungen zur Landesregierung, immer voll wacher Sorge um Hessen.

An den Versuchen, ihn zu befreien und seinem Land wieder zuzuführen, war auch ein Biedenkopfer Bürger beteiligt, Kurt Breidenstein. Er hielt sich als Kaufmann in den Niederlanden auf und bereitete gemeinsam mit seinem Landsmann. dem Zeugmeister Rommel aus Kassel, die Flucht des Landgrafen vor. Alles war aufs Beste in die Wege geleitet; die Pferde standen von Mecheln bis zur hessischen Grenze bereit; der Landgraf sollte durch ein Pförtchen seines Gefängnisses, die Bloeport, entweichen; da wurde der Plan eine halbe Stunde vor der Flucht dem wachhabenden Hauptmann gemeldet. Ein Diener des Fürsten hatte einer Person aus Mscheln gegenüber nicht dn Mund halten können. Die Verschworerer wurden schwer bestraft, die eingeweihten Dienstboten sofort erstochen oder später gehenkt. Kurt Breidenstein gelang es zu fliehen. Die Haft des Landgrafen wurde verschärft; er durfte keine Briefe mehr absenden; er kam in einen Kerker von nur 3 1/2 m Länge; die Fenster wurden acht Monate lang vernagelt.

Da wandte sich das Kriegsglück. Karl V., von den evangelischen Fürsten zu Innsbruck in die Enge getrieben, mußte im Passauer Vertrag Frieden schließen und Philipp frei lassen. Graf Wilhelm der Reiche von Nassau eilte ihm von Dillenburg nach Siegen entgegen, beherbergte ihn die letzte Nacht vor der Heimkehr dort auf seiner Burg und brachte ihn dann nach Ewersbach. Mit einem Ehrengeleit von 300 spanischen Reitern näherte Philipp sich der Grenze seines Landes. Auf der Höhe des Staffelböll erwarteten ihn seine Söhne, sein getreuen Räte und die Bazúern der umliegenden Dörfer und bereiteten ihm einen bewegten Empfang.

Der 47jährige Fürst war in Sorge und Leid der Gefangenschaft gealtert und ergraut. An der Stelle, wo er vom Pferde sprang, um die Seinen zu grüßen, wo sein Fuß hessischen Boden betrat, steht heute die Philippsbuche. Die Simmersbacher pflanzten sie wenige Jahre nach dem Empfang. Der Platz unter der Buche ist jetzt würdig gestaltet. Eine Gedenkplatte erinnert an den das Volk tief ergreifenden Tag. Auf dem schlichten Steinrund, das den Platz umschließt, steht der Spruch den Philipp über seine Verteidigungsschrift an den Kaiser setzte: ” Des Herrn Wort bleibt in Ewigkeit.”

Der Landgraf erwies sich seinen getreuen Hessen gegenüber dankbar. Kurt Breidenstein wurde am 27.5.1557 mit dem Hof Roßbach belehnt. Er erhielt außerdem die Erlaubnis, tausend in Hessen gekaufte Kleider zollfrei auszuführen. Später wirkte der fähige Mann als Amtmann in Battenberg undGießen. Die Fürsorge für die Landeskinder spricht aus Philipps Wort:”Die Unterwürfigen schonen, die Staolzen bekriegen”. Die Hinterländer waren zum gro0en Teil seine Leibeigenen. In der harten Zeit der Bauernkriege 1525 hat sich in Hessen kein Bauer gegen den Landgrafen erhoben; nur die Städter wurden unruhig. Landgraf und Volk fühlten sich zusammengehörig.


Fotos: Karl-Heinz Heupel