Alles außer “E”…

Alles außer “E”…

März 11, 2021 Aus Von mfsimba

Glatter Asphalt, tiefer Waldboden, feiner Schotter, grobe Steine und nasse Wurzeln: Fahrräder müssen Allrounder sein. Mich zieht es inzwischen sehr in Richtung “Gravel-Bike”- Gravel bedeutet: Freie Streckenwahl und die Unabhängigkeit von asphaltierten Straßen. Es verspricht mir Abenteuer, Naturerlebnis und ein Radsport-Erlebnis ohne die Nachteile des Straßenverkehrs. Kein Teil am Rad ist hierfür so entscheidend wie die Reifen. Sie müssen auf unterschiedlichen Terrains funktionieren – auf einem möglichst hohen Niveau. Gravel-Reifen machen den wesentlichen Unterschied. Sie allein können bereits manche komfortorientierte Rennradmodelle mit großen Reifenfreiheiten zu Gravel-Bikes machen.


Ich stand eigentlich immer vor der Ausfahrt mit der Entscheidung, Rennrad oder Mountainbike vor der Garage. Da ich nicht gerade der Tourer bin, entschied ich mich vor 2-3 Jahren zusätzlich zum Kauf eines Crossrades. Der Unterschied zum Gravelbike ist gering und wird den meisten Menschen überhaupt nicht auffallen. Alleine jederzeit von der Straße runter und ins Feld fahren zu können, ist für mich der größte dazu gewonnene Spaß am Biken.

Schotterwege, Wiesen, Straßen, Schlamm: All das ist mit Crossrädern möglich. Nicht nur die optischen Ähnlichkeiten zwischen Cross- und Gravel-Rädern sorgen für Verwirrung. Die Grenze zwischen Gravelbikes und Cyclocrossern verläuft also fließend. Dennoch gibt es wesentliche Unterschiede zwischen den beiden Radgattungen. Cyclocrosser oder Gravelbike?

Der ist klein aber fein, denn während der Cyclocrosser in erster Linie ein Wettkampfrad für die Kurzstrecke mit europäischer Historie ist, entstammt das Gravelbike den USA und ist mehr im Ausdauersport zu Hause. Das macht sich sich in erster Linie in der Geometrie bemerkbar. Während der Cyclocrosser aus einer Wettkampf-Rennradgeometrie kommt, entstammt das Gravelbike dem Komfort-Rennradbereich.


Kennzeichen eines Cyclocross-Rades

 

 

  • gemacht für Rennen auf winkligen, schlammigen Kursen
  • 28-Zoll-Räder.
  • eher schmale Stollenreifen. Für offizielle Cyclocross-Rennen dürfen sie nicht breiter als 33 mm sein. Das wird mit einem Block vor dem Rennen geprüft
  • ein kurzer Radstand, der sehr nah am Rennrad liegt
  • Ein recht steiler Lenkwinkel für Wendigkeit. Fußkontakt zum Vorderrad ist möglich
  • traditionell ein höheres Tretlager, um tretend durch Kurven fahren zu können
  • eine relativ sportliche Sitzposition mit viel Gewicht auf dem Vorderrad. Wie gesagt: für Rennen!
  • oft keine Flaschenhalter (erst seit kurzem sieht man die Profis auch mit Trinkflaschen auf dem Kurs, aber Trinkflaschen während der Fahrt annehmen dürfen sie nicht)
  • ein möglichst geringes Gewicht. Stichwort „Tragen und Springen“

Kennzeichen eines Gravelbikes

  • gemacht für langes Fahren auf befestigten, aber nicht asphaltierten Wegen
  • 28-Zoll-Räder oder 27,5-Zoll-Räder. Meist für Reifen bis 42 oder sogar bis hin zu 47 mm ohne Schutzbleche ausgelegt.
  • soll auch als Alltagsrad dienen können
  • eine eher aufrechte Sitzposition, um auf langen Strecken die Hände zu entlasten
  • tieferes Tretlager für das Gefühl mehr „im Rad“ zu sitzen und mehr Stabilität in rauerem Gelände
  • längerer Radstand – damit schlagen kleine Hindernisse nicht so stark durch (Hebelgesetze). Das Rad läuft tendenziell besser geradeaus. Wenn der längere Radstand vor allem am Hinterbau erzielt wird, hat es auch bessere Klettereigenschaften an Steilpassagen.
  • oft ein flacherer Lenkwinkel und mehr Nachlauf an der Gabel für besseren Geradeauslauf
  • Ösen, Ösen und nochmals Ösen an Rahmen und Gabel, um alles anschrauben zu können, was auf langen Fahrten helfen kann.

Ich fahre einen Mix aus beiden Varianten. Mit dem Giant TCX Advanced bin ich eigentlich im Besitz eines Crossrades. Die sportliche Rahmengeometrie sagt mir eher zu. Nur habe ich dieses Rad aber wiederum für die Straße optimiert, indem ich den Pirelli Cinturato Velo in 35C darauf fahre. Dies ist ein Reifen, der auch Schotter-Passagen meistert: er ist nicht deutlich profiliert. Er kommt aber mit einem hohen Pannenschutz daher. Vor allem durch das patentierte „Smartnet Silica“-System. Dieses bezeichnet den Einsatz von Aramidfasern, die sich mit den anderen Materialien verbinden und dadurch die Durchstichfestigkeit erhöhen sollen. Dies ist bei mir eigentlich immer der entscheidende Grund bei der Reifenwahl, keinen Plattfuß… weniger das Gewicht.

Den Spaß am Mountainbiken habe ich aber nicht verloren, trotzdem zieht es mich meistens auf das Gravel bzw. Crossrad. Dieses Bike fühlt sich da wohl, wo ein klassisches Rennrad es schwierig hat. Es bietet dir die nötige Laufruhe und Sicherheit im Gelände und ist somit das ideale Geschoss für alle, die sich mehr Flexibilität in ihrer Streckenwahl wünschen und die Straße verlassen wollen. 

In diesem Sinne : “KETTE IMMER RECHTS…!”


Fotos: Pixabay.com