Die 12 Raunächte

Die 12 Raunächte

Dezember 21, 2019 Aus Von sfsimba

Das Wort „Raunacht“ leitet sich vom mittelhochdeutschen rûch ab, was so viel wie wild, haarig oder auch Rauch bedeutet.

Die 12 Raunächte sind die 12 heiligen Nächte zwischen den Jahren, in denen die Tore zur Anderswelt weit geöffnet sind. Sie werden auch „Zwölften“ oder „Die wilde Jagd“ genannt. Sie gehören zu den ältesten Ritualen in der nördlichen Gegend. Warum es genau 12 Nächte sind, hat damit zu tun, das das Mondjahr, laut germanischem Mondkalender, 12 Monde mit 354 Tagen, statt unseren 12 Monaten mit 365 Tagen, hat. Man hat zum Ausgleich diese 11 Tage bzw. 12 Nächte dazwischen geschaltet, deswegen sprechen wir heute noch von „der Zeit zwischen den Jahren“. Mit dieser Zeit wird allerlei magisches verbunden. Je nach Region feiert man diese Nächte entweder vom 21. Dezember (Julfest) bis zum 2. Januar oder vom 25. Dezember bis zum 6. Januar.

Vieles wurde über Jahrhunderte nur mündlich weitergegeben. Im 16. Jahrhundert wurden sie erstmals in Dokumenten erwähnt. Es wird bis heute noch an alten Ritualen und Bräuchen festgehalten. Wie zum Beispiel:

  • Sein Zuhause aufräumen, ausmisten, Geliehenes zurückgeben, und man lässt sich Verliehenes wiedergeben, einfach Ordnung in seinem Leben schaffen
  • Es ist die Zeit zum Innehalten und um sich von dem alten Jahr zu verabschieden. Sich vom Ballast zu befreien, Zeit für die Seele
  • Kinder die in dieser Zeit geboren werden, sollen übersinnliche Fähigkeiten haben und ihr ganzes Leben lang mit Verstorbenen in Kontakt treten können.
  • Es heißt auch, dass in diesen Nächten die Tiere sprechen können. Wer es hört, wird es nicht überleben.
  • Räuchern ist ein wesentlicher Bestandteil der Raunächte. Es wird das Haus /Wohnung durch das Räuchern, meist mit Weihrauch, Myrrhe oder auch anderen Räuchermischungen, von negativen Energien gereinigt. Es werden dadurch auch die toten Seelen wieder vertrieben.
  • Zur Mitte der Raunächte, nämlich zu Silvester, kommt „Die Wilde Jagd“ / das wilde Heer, angeführt von Odin und seiner Gemahlin Frigg, sie treiben ihr Unwesen und toben durch die Lüfte. Man sollte zu dieser Zeit keine Wäsche waschen / aufhängen. Odin könnte sich ein Wäschestück schnappen, und es im neuen Jahr als Totenhemd für den Besitzer benutzen.
  • Die Sternsinger segnen heute noch fast überall die Häuser indem sie die Formel „C+M+B“ ( Formel gegen Geister), auf die Haustür schreiben. Bedeutung: „Christus mansionem benedicat, Christus schütze dieses Haus“
  • Man sollte auf seine Träume achten, die man in den 12 Raunächten träumt, sie könnten in Erfüllung gehen.
  • Die Percht als Göttin der Raunächte wurde eine besondere Bedeutung zugesagt. Laut Volksglauben, sollte sie darüber wachen, dass die Menschen in dieser Zeit zur Ruhe kommen und nicht arbeiten. Im Alpenland ist es Brauch, diese Gestalten, die sich mit der Dunkelheit anlegen, oder den Winter vertreiben wollen, sich mit Masken und Lärm darstellen und die schlechten Geister des Winters zu vertreiben. Diese Umzüge werden mit aufwendig geschnitzten Holzmasken, Glocken und verzierten Kostümen veranstaltet.
  • Wir haben in diesen Nächten eine gute Verbindung zu unseren Ahnen, aber die Tore sind auch offen für alle anderen möglichen Wesen. Für Geister, Götter, Hexen…..

Odin selbst öffnet alle Tore…


Fotos: Pixabay
Text: Susanne Fuchs