Simmersbach…

Simmersbach…

…oder auch Sömmaschbuch, wie man hier auf platt sagt, liegt im Nordosten des Lahn-Dill-Kreises und gehört zur Großgemeinde Eschenburg, direkt an der Grenze zum Landkreis Marburg-Biedenkopf. Umgeben ist der Ort von Ausläufern des Rothaargebirges im Nordwesten und dem Gladenbacher Bergland im Osten. Es liegt im Tal des Simmersbachs, einem Zufluss der Dietzhölze. Die angrenzenden Orte sind, von Norden im Uhrzeigersinn beginnend: Roth (Gemeinde Eschenburg), Oberhörlen (Gemeinde Steffenberg), Lixfeld (Gemeinde Angelburg), Hirzenhain, Eiershausen und Eibelshausen (alle Gemeinde Eschenburg).

Nordwestlich des Ortes erhebt sich der Staffelböll (536 m ü.NN), südöstlich der Hornberg (570 m ü.NN) und der Mattenberg (577 m ü.NN). Nordöstlich befindet sich der Galgenberg (541 m ü.NN).

Simmersbach am 27.04.2025 (2560x 782Pixel) – © Mirko Fuchs

Luftaufnahme/Simmersbach vom 03.09.2023 (2560 x 1355Pixel) – © Mirko Fuchs

Luftaufnahme/Simmersbach vom 03.06.2020 (2160 x 1440Pixel) – © Mirko Fuchs

Luftaufnahme/Simmersbach vom 09.01.2021 (2160 x 1440Pixel) – © Mirko Fuchs

Luftaufnahme/Simmersbach vom 26.10.2024 (2048x 1366Pixel) – © Mirko Fuchs

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Simmersbach wurde im Jahr 1323 erstmals urkundlich erwähnt.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde Simmersbach zusammen mit seinem Nachbarort Roth, die bis dahin zum Landkreis Biedenkopf gehörten kraft Landesgesetz dem Dillkreis zugeschlagen und mit den Gemeinden Eschenburg, Hirzenhain zur erweiterten Großgemeinde Eschenburg zusammengeschlossen. Die Inkraftsetzung erfolgte zum 1. Juli 1974 durch den Regierungspräsidenten in Darmstadt. Für alle Ortsteile wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher errichtet.

Das Wappen

Die von Erwin Reh gemalte Philippsbuche war Vorlage für das Simmersbacher Wappen.
Als die Gemeinde 1957  auch ein eigenes Wappen haben wollte, kam man auf das Motiv der Philippsbuche.
Kreisoberinspektor Karl Huth stimmte den Vorstellungen der Simmersbacher zu, daß für die Gemeinde die charakteristische Gestalt der Philippsbuche die gegebene Wappenvorlage sein würde. Es war das Verdienst von Bürgermeister Erwin Reh, daß ein Bild vorhanden war, das den Zustand des Baumes kurz nach dem ersten Weltkrieg zeigt. Die schweren Schäden, die den historischen Baum später trafen, waren damals noch nicht eingetreten.
Vier Hauptäste ragten aus dem mächtigen Stamm heraus und wurden gerne als Symbol für die vier Söhne Philipps des Großmütigen angesehen, zu dessen Erinnerung und Gedenken der Baum gepflanzt wurde. Bürgermeister Reh stellte das von ihm geschaffene Bild zur Verfügung. Ein Foto davon erhielt der Heraldiker Heinz Ritt aus Gießen, der dann im Auftrag des Hessischen Staatsarchivs das Wappen für die Simmersbacher zeichnete. Der in Marburg geborene hessische Landgraf Philipp der Großmütige (1509 – 1567), der 1526 die Reformation einführte, hatte in Marburg die erste protestantische Universität gegründet.
Er wurde 1547 bis 1552 von Kaiser Karl V. in den Niederlanden gefangen gehalten. Zur Erinnerung seiner Rückkehr in seine hessische Heimat, als er erstmals nach seiner Gefangenschaft hessischen Boden wieder betrat, wurde ihm zu Ehren am 10. September 1552 die Buche gepflanzt.

Die Katharinenkirche

In der Ortsmitte von Simmersbach erhebt sich die schlichte evangelische Katharinenkirche inmitten zahlreicher alter Fachwerkhäuser. Die alten Häuser tragen zum Teil Balkenschmuck und Kratzputz, auch einige der traditionellen zweigeteilten Haustüren sind hier noch zu finden. Zum Teil tragen die Türen stilisierte Blumenmuster.

Die unter Denkmalschutz stehende Katharinenkirche Simmersbach wurde in zwei Abschnitten im 13. und 14 Jahrhundert errichtet. Der Kernbau des Turms ist hochmittelalterlich und wurde später durch das Kirchenschiff erweitert. Beide Bauteile sind als Massivbauten in Bruchsteinmauerwerk errichtet und verputzt. In dem landwirtschaftlich orientierten Dorf versuchte man sich Ende des 18. Jahrhunderts die wenigen vorhandenen Bodenschätze nutzbar zu machen und so wurde unterhalb des Hornbergs eine Schiefergrube mit dem Namen Grube Wolfsschlucht eröffnet.

Mit dem Aufblühen der Industrie ab Ende des 19. Jahrhunderts wandten sich die Simmersbacher mehr und mehr von der für sie inzwischen unrentablen Landwirtschaft ab und fanden Arbeit in den Hütten und Fabriken des nahen Dietzhölz- oder Dilltals. So wurde aus dem einstigen Bauerndorf eine Wohngemeinde.

Die Philippsbuche

Im Jahr 1552 kehrte Landgraf Philipp von Hessen aus fünfjähriger Gefangenschaft zurück in seine Heimat und betrat am 10. September am Staffelböll erstmals wieder hessischen Boden. Wenige Jahre später pflanzten die Simmersbacher zum Gedenken daran an dieser Stelle eine Buche, die so genannte Philippsbuche. 1910 wurde unter dem Baum ein Denkmal errichtet.

1963 musste die mittlerweile 400-jährige Buche gefällt werden, da sie abgestorben war. Aus einem Ableger von ihr wurde aber ein neuer Baum gepflanzt. Die Philippsbuche wurde zwischenzeitlich zum Naturdenkmal erklärt und ist bis heute ein beliebtes Wanderziel.

Die Schutzhütte

Die Hütte steht direkt am Europäischen Wanderweg Nr. 1 und wurde 1976 in Eigenleistung des Verschönerungsverein errichtet. Der Europäische Fernwanderweg E1 ist Teil des europäischen Wanderwegnetzes und verläuft vom Nordkap derzeit bis Salerno im Süden Italiens. Seine Gesamtlänge beträgt rund 7.000 km

Die Grube Wolfsschlucht

In der Simmersbacher Gemarkung von Eschenburg die Schiefergrube Wolfsschlucht deren Stollen etwa 300 Meter tief in den Berg führen. Im 18. Jahrhundert brannten viele Häuser mit Ihren Strohgedeckten Dächern nieder. Und so suchte man zunächst mit dem Scheibenstein und später dem Schiefer nach geeigneteren Baumaterialien. Schon im Jahre 1767 fand, man erste Aufzeichnungen über die benachbarte Wissenbacher Schiefergrube. So kann man wohl die Entstehung der Simmersbacher Untertagegrube in die gleiche Zeit datieren, zumal Ihre erste Erwähnungen in die Jahre 1815 (Eibelshausen) und 1816 (Frechenhausen) fallen. In den Jahren 1863 und 1880 forderte die Grube mit Joh. Emmerich (Hirzenhain) und Heinrich Keller (Eiershausen) zwei Todesopfer. Im Jahr 1884 standen 36 Personen in der Schiefergrube Wolfsschlucht unter dem damaligen Pächter Dromm aus Gießen in Lohn und Brot und förderten mit 500 Tonnen schon 100 Tonnen mehr als die Grube in Wissenbach zur gleichen Zeit. Ein Bruch der Grubenbaue unterbrach im lahre 1896 die Förderaktivitäten.

Ein weiterer Bruch begrub endgültig die Fördermöglichkeiten für Wand -und Dachschiefer, so dass nur noch Schieferplatten und Blöcke und später Schieferbruch zur Herstellung von Beton – Schwerbeton und Waschbetonsteinen gefördert werden konnten. Gegen den im Tagebau fördernden Wettbewerb war man zunehmend preislich unterlegen, so dass sich Karl Jacobi im Jahre 1973 zur Einstellung der Untertagebetriebes entschloss.

Das alte Mühlchen

Wer von Eibelshausen herkommend auf Simmersbach zuwanderte, der sah sie dort unten im Wiesengrund, an der am weitesten vorspringenden Waldecke des „Hohen Rain“ (Flurname) liegen.

Die alte kleine Mühle, im Fachwerkstil erbaut, mit ihrer roten Rückwand, die in Ermangelung des ursprünglichen Baumaterials Holz und Lehm stattdessen in Ziegelmauerwerk erneuert worden war und dadurch dem kleinen Gebäude ein etwas fremdartiges Aussehen gab.

Von weitem sah man dem „Mühlchen“, wie es im Volksmund genannt wurde, ihr Alter nicht an, war es doch im Jahre 1654, also kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg, erbaut und hatte seitdem manchen Sturm erlebt. Der Antrieb der Mühle erfolgte über das seitlich angebrachte Mühlrad, das sicher in früheren Zeiten aus Holz gefertigt war, aber später dann irgendwann durch ein Eisenrad ersetzt wurde.

Der Badeweiher

Am Ortsausgang Richtung Streitwasser befand sich ehemals ein Schafpfuhl. Hier wurden die Schafe vor der Schur gewaschen. Bei dieser Veranstaltung stiegen die jungen Männer in alter Kleidung ins Wasser und jeweils zwei Mann wuschen zusammen ein Tier bis die Herde durch war. Die Dorfjugend und auch ältere Menschen nahmen als Zuschauer an diesem Schauspiel teil.
Oberhalb des Schafpfuhls begann der „Kuhweg“, das heißt der Weg und Gelände, auf dem der Kuhhirte mittags die Herde zur Weide führte. Unmittelbar unterhalb des Schafpfuhls bis zum Grundstück „Schneider“ befand sich ein Talstück mit seitlich aufsteigenden Böschungen von ca. 3-4 Metern Höhe.Anfangs der 30er Jahre wurde durch die Gemeinde an der unteren Grenze dieses Geländes mit dem Bau eines Erddammes begonnen, um hier einen Brandweiher anzulegen, damit für den Ort ausreichend Löschwasser zur Verfügung gehalten werden konnte. Bis zu dieser Zeit vergnügten sich die Kinder im Sommer im Schafpfuhl wobei gesagt werden muss, dass das Wasser wegen des unbefestigten Bodens durch den darin befindlichen Schlamm stark verunreinigt war.
Der neue „Brandweiher“, zunächst ca. 50 Meter lang, war zuerst auch unbefestigt, wurde aber trotzdem zu Badezwecken benutzt.

 


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September 18, 2026Ein faszinierendes Wildtier, das viele nur zu kennen glauben Kaum ein heimisches Wildtier übt eine solche Faszination aus wie der Rothirsch. Besonders während der Brunft im September, wenn die tiefen Rufe der Hirsche durch Wälder und Täler ziehen, wird deutlich, welche beeindruckenden Tiere noch in unserer Landschaft leben. Trotzdem wissen viele Menschen erstaunlich wenig über Rotwild. Der Rothirsch wird häufig als „König des Waldes“ bezeichnet. Das klingt schön, ist biologisch aber nur die halbe Wahrheit. Eigentlich ist er vielmehr ein Tier offener und halboffener Landschaften. Erst durch die immer intensivere Nutzung der Landschaft durch den Menschen, durch Siedlungen, Straßen, Landwirtschaft, Freizeitdruck und Jagd wurde das Rotwild vielerorts zunehmend in große Waldgebiete zurückgedrängt. Gerade deshalb lohnt es sich, dieses Wildtier einmal jenseits von Jagdtrophäen, Brunftbildern und romantischen Vorstellungen kennenzulernen. Rothirsch ist der Name der Art Schon bei der Bezeichnung beginnt häufig die Verwirrung. Der wissenschaftliche Name des Rothirsches lautet Cervus elaphus. Wenn von Rothirschen oder Rotwild gesprochen wird, ist damit die gesamte Art gemeint, also männliche und weibliche Tiere sowie deren Nachwuchs. Das ausgewachsene männliche Tier wird Hirsch genannt, das erwachsene weibliche Tier Hirschkuh oder in der Jägersprache Alttier. Ein Jungtier im ersten Lebensjahr heißt Kalb. Und noch eine häufige Verwechslung: Rehe sind keine weiblichen Hirsche. Reh und Rothirsch sind zwei unterschiedliche Arten. Das Reh gehört zwar ebenfalls zur Familie der Hirsche, unterscheidet sich aber erheblich von Rotwild in Körpergröße, Verhalten und Sozialstruktur. Einer unserer größten heimischen Wildtiere Ein ausgewachsener Rothirsch ist eine beeindruckende Erscheinung. Männliche Tiere erreichen eine Schulterhöhe von bis zu etwa 1,50 Metern. Ihr Gewicht liegt meistens zwischen ungefähr 100 und 160 Kilogramm, besonders starke Tiere können deutlich schwerer werden. Weibliche Tiere sind kleiner und leichter. Im Sommer trägt Rotwild das charakteristische rotbraune Fell, dem die Art ihren deutschen Namen verdankt. Im Winter verändert sich die Färbung zu einem eher graubraunen Ton. Gleichzeitig wird das Winterfell länger und dichter. In freier Wildbahn können Rothirsche mehr als zehn Jahre alt werden. Einzelne Tiere erreichen ein deutlich höheres Alter. Das Geweih wächst jedes Jahr neu Das vielleicht auffälligste Merkmal des männlichen Rothirsches ist sein Geweih. Anders als Hörner ist ein Geweih kein dauerhaft vorhandener Kopfschmuck. Es wird jedes Jahr abgeworfen und anschließend vollständig neu gebildet. Während des Wachstums ist das Geweih von einer stark durchbluteten Haut bedeckt, dem sogenannten Bast. Innerhalb weniger Monate entsteht daraus eine massive Knochenstruktur. Ist das Wachstum beendet, stirbt die Basthaut ab und wird vom Hirsch an Bäumen und Sträuchern abgestreift. Nach der Brunft und dem Winter wirft der Hirsch sein Geweih schließlich wieder ab. Kurz darauf beginnt bereits das Wachstum des nächsten. Dieser jährliche Aufbau einer großen Knochenmasse gehört zu den erstaunlichsten biologischen Leistungen unserer heimischen Wildtiere. Ein großes Geweih bedeutet übrigens nicht automatisch, dass ein Hirsch besonders alt ist. Alter, Ernährung, körperliche Verfassung, genetische Voraussetzungen und Lebensraum beeinflussen seine Entwicklung. Die Anzahl der Enden ist deshalb kein zuverlässiger Altersnachweis. Rotwild lebt sozial Rothirsche sind ausgesprochen soziale Tiere. Weibliche Tiere leben häufig gemeinsam mit ihrem Nachwuchs in Rudeln. Auch männliche Hirsche bilden außerhalb der Brunftzeit eigene Gruppen. Erst während der Paarungszeit verändert sich dieses Verhalten deutlich. Die Zusammensetzung eines Rudels ist keineswegs zufällig. Besonders die weiblichen Tiere besitzen ausgeprägte soziale Beziehungen. Erfahrung spielt dabei eine wichtige Rolle. Ältere Tiere kennen Einstände, Äsungsflächen, Fluchtwege, sichere Ruhebereiche und traditionelle Wanderwege. In offenen Landschaften können sich deutlich größere Rudel bilden als in dicht bewaldeten Gebieten. Die Brunft: Die bekannteste Zeit des Jahres Zwischen Anfang September und Oktober beginnt in vielen Regionen Deutschlands die Rotwildbrunft. Der genaue Zeitpunkt hängt unter anderem von Region, Höhenlage und Witterung ab. Jetzt verändert sich das Verhalten der Hirsche grundlegend. Die normalerweise getrennt lebenden männlichen Tiere ziehen zu den Brunftgebieten der weiblichen Rudel. Mit ihren tiefen Brunftrufen machen sie auf sich aufmerksam und versuchen gleichzeitig, konkurrierende Hirsche einzuschüchtern. Das berühmte Röhren ist also weit mehr als eine beeindruckende Geräuschkulisse. Es ist Kommunikation. Treffen ähnlich starke Hirsche aufeinander, folgt zunächst häufig ein ritualisiertes Kräftemessen. Die Tiere präsentieren ihre Körpergröße, bewegen sich parallel zueinander und versuchen offenbar einzuschätzen, ob ein Kampf überhaupt sinnvoll ist. Erst wenn keiner der beiden Konkurrenten zurückweicht, kann es zu einem tatsächlichen Kampf kommen. Dabei verhaken die Hirsche ihre Geweihe und versuchen, den Gegner zurückzudrängen. Schwere Auseinandersetzungen sind für beide Tiere riskant. Das ritualisierte Verhalten hilft deshalb dabei, unnötige Kämpfe zu vermeiden. Die Brunft verlangt den Hirschen enorme körperliche Reserven ab. Starke Brunfthirsche fressen in dieser Zeit teilweise nur wenig und können einen erheblichen Teil ihres Körpergewichts verlieren. Nach der Brunft kehrt Ruhe ein Wenn die Brunft vorüber ist, ziehen sich die Hirsche zunehmend aus den Brunftgebieten zurück. Nun beginnt eine wichtige Erholungsphase. Die während der Paarungszeit verlorenen Energiereserven müssen soweit wie möglich wieder aufgebaut werden, bevor der Winter beginnt. Rotwild besitzt erstaunliche Anpassungen an die kalte Jahreszeit. Der Stoffwechsel wird reduziert und sogar innere Organe können sich saisonal verändern. Dadurch sinkt der Energiebedarf. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Tiere ausreichend Ruhe haben. Wird Rotwild im Winter ständig aufgescheucht, muss es fliehen und verbraucht dabei Energie, die eigentlich gespart werden müsste. Gleichzeitig ziehen sich gestörte Tiere häufiger in dichtere Waldbereiche zurück. Dort können Verbiss und Schälschäden an Bäumen zunehmen. Ruhegebiete dienen deshalb nicht nur dem Wildtier. Richtig gestaltet können sie auch dazu beitragen, Konflikte zwischen Rotwild und Forstwirtschaft zu reduzieren. Im Frühsommer kommen die Kälber zur Welt Nach einer Tragzeit von ungefähr acht Monaten werden die meisten Rotwildkälber im Mai und Juni geboren. Kurz vor der Geburt zieht sich das Muttertier häufig etwas zurück. Das neugeborene Kalb besitzt zunächst ein charakteristisch geflecktes Fell. Diese Zeichnung bietet in der Vegetation eine hervorragende Tarnung. Während der ersten Lebenszeit liegt das Kalb immer wieder versteckt, während das Muttertier in der Umgebung Nahrung aufnimmt. Ein allein liegendes Kalb ist deshalb normalerweise nicht verlassen. Wer ein solches Jungtier findet, sollte Abstand halten, es nicht berühren und den Bereich verlassen. Die Mutter ist häufig nicht weit entfernt und kehrt zurück, sobald sie sich sicher fühlt. Was frisst ein Rothirsch? Rotwild ist ein Pflanzenfresser. Auf dem Speiseplan stehen Gräser, Kräuter, Blätter, Knospen, junge Triebe, Früchte sowie unterschiedliche Gehölze. Je nach Jahreszeit und Lebensraum verändert sich die Zusammensetzung erheblich. Ein großes Tier benötigt entsprechend große Mengen Nahrung. Rothirsche können täglich viele Kilogramm Pflanzenmaterial aufnehmen. Genau hier entstehen Konflikte mit der Forstwirtschaft. Werden junge Bäume stark verbissen oder Baumrinden geschält, können wirtschaftliche Schäden entstehen. Allerdings wäre es zu einfach, allein die Zahl der Tiere dafür verantwortlich zu machen. Entscheidend sind ebenso die Qualität und Größe des Lebensraumes, verfügbare Äsungsflächen, Störungen, Jagddruck, Wanderungsmöglichkeiten sowie die Verteilung des Rotwildes. Ein Tier, das aufgrund permanenter Störungen tagsüber offene Nahrungsflächen meidet und sich in Waldgebiete zurückzieht, frisst zwangsläufig dort. Der Rothirsch ist eigentlich kein reines Waldtier Gerade dieses Missverständnis hält sich hartnäckig. Der Rothirsch wird zwar traditionell als „König des Waldes“ bezeichnet, doch biologisch betrachtet passt die Bezeichnung nur eingeschränkt. Rotwild bevorzugt strukturreiche Landschaften mit einem Wechsel aus offenen Flächen, Wiesen, Wald, Gehölzen und Rückzugsgebieten. Solche Landschaften bieten Nahrung und gleichzeitig Schutz. In Deutschland lebt Rotwild heute allerdings vielfach in großen Waldgebieten. Das ist nicht ausschließlich seine natürliche Wahl, sondern teilweise eine Folge unserer Landnutzung. Ein Tier braucht Platz Rothirsche können große Entfernungen zurücklegen. Besonders junge Hirsche wandern teilweise weit und können dadurch für einen genetischen Austausch zwischen verschiedenen Populationen sorgen. Genau diese Wanderungen werden in unserer heutigen Kulturlandschaft zunehmend schwierig. Autobahnen, Straßen, Siedlungen, Gewerbegebiete, Zäune und andere Barrieren zerschneiden traditionelle Wanderwege. Auch rechtlich festgelegte Rotwildgebiete schränken den Lebensraum in manchen Regionen zusätzlich ein. Das Problem dabei ist nicht nur fehlender Platz. Werden Populationen dauerhaft voneinander getrennt, kann auch der genetische Austausch abnehmen. Warum genetischer Austausch wichtig ist Eine Population kann zahlenmäßig durchaus groß erscheinen und trotzdem langfristig Probleme bekommen. Sind einzelne Rotwildvorkommen dauerhaft voneinander getrennt, findet zwischen ihnen nur noch wenig genetischer Austausch statt. Das kann die genetische Vielfalt verringern. Grünbrücken, Wildtierkorridore und miteinander verbundene Lebensräume sind deshalb nicht nur praktische Wege für wandernde Tiere. Sie können langfristig für die Stabilität von Wildtierpopulationen entscheidend sein. Ein Rothirsch kennt schließlich keine Gemeindegrenze, keine Kreisgrenze und schon gar keine menschliche Vorstellung davon, in welchem Waldstück er gefälligst wohnen soll. Rothirsche gestalten ihren Lebensraum Große Pflanzenfresser verändern Landschaften. Das gilt für Rothirsche ebenso wie für andere große Pflanzenfresser. Durch Äsen, Verbiss und Tritt entstehen offene Strukturen. Pflanzen werden verbreitet, weil Samen im Fell transportiert oder nach dem Fressen wieder ausgeschieden werden. Dadurch können Pflanzenarten über beträchtliche Entfernungen verbreitet werden. Selbst abgeworfene Geweihe verschwinden nicht einfach nutzlos im Wald. Nagetiere nagen daran und nutzen die enthaltenen Mineralstoffe. Auch Tierkadaver gehören zu natürlichen Ökosystemen und bilden wiederum die Lebensgrundlage für zahlreiche Insekten, Vögel und andere Tiere. Der Rothirsch ist deshalb nicht nur Bewohner eines Ökosystems. Er gestaltet es mit. Warum menschliche Störungen ein Problem sind Menschen unterschätzen häufig, welchen Einfluss ihre Anwesenheit auf Wildtiere hat. Ein Spaziergänger auf einem regelmäßig genutzten Weg kann für Rotwild deutlich weniger problematisch sein als jemand, der quer durch einen Ruhebereich läuft. Besonders schwierig sind unvorhersehbare Störungen. Mountainbiker abseits der Wege, freilaufende Hunde, Nachtwanderungen, Geocaching, Drohnen, Pilzsammler, Fotografen oder andere Waldbesucher können Wildtiere aus ihren Einständen treiben. Das bedeutet keineswegs, dass Menschen den Wald nicht mehr betreten sollten. Rücksicht bedeutet vielmehr, Wegegebote und Ruhezonen ernst zu nehmen, Hunde in sensiblen Bereichen unter Kontrolle zu halten und Wildtiere nicht bewusst zu verfolgen. Gerade zur Brunft passiert leider regelmäßig das Gegenteil. Menschen laufen den röhrenden Hirschen hinterher, verlassen Wege oder versuchen für ein Foto immer näher heranzukommen. Wer Rotwild wirklich erleben möchte, braucht keinen Abstand von fünfzig Metern weniger. Er braucht Geduld. Auch Wildtierfotografie braucht Grenzen Ein gutes Wildtierfoto entsteht nicht dadurch, dass das Tier irgendwann keine andere Möglichkeit mehr hat, als den Fotografen zu bemerken. Das wichtigste Werkzeug eines Wildtierfotografen ist deshalb nicht die Kamera, sondern das Verhalten gegenüber dem Tier. Abstand, Ruhe und Kenntnis des Wildes entscheiden darüber, ob eine Beobachtung verantwortungsvoll ist. Zeigt ein Tier deutlich Aufmerksamkeit gegenüber dem Menschen, sichert ständig in dessen Richtung oder verändert sein Verhalten, ist möglicherweise bereits eine Grenze überschritten. Besonders während der Brunft sollte niemals versucht werden, sich zwischen Hirsch und Rudel zu bewegen oder einen Brunfthirsch für ein besseres Foto zu provozieren. Die spannendsten Bilder entstehen ohnehin häufig dann, wenn das Wild sich unbeobachtet fühlt und sein natürliches Verhalten zeigt. Fotogalerie: Begegnungen mit dem Rotwild Eine Fotogalerie kann zeigen, was Worte nur beschreiben können: den Unterschied zwischen einem ruhenden und einem aufmerksamen Tier, das Verhalten eines Rudels, die unterschiedlichen Altersklassen, den Lebensraum und natürlich die besondere Atmosphäre der Brunft. Gerade bei Rotwild erzählen Bilder viel mehr, wenn nicht nur spektakuläre Geweihe gezeigt werden. Ein Alttier mit Kalb, ein Rudel am Waldrand, ein junger Hirsch, ein Tier im Winterfell oder ein vorsichtig aus der Deckung tretender Hirsch gehören genauso zur Geschichte dieser Art wie der kapitale Brunfthirsch. Der Umgang mit Rotwild ist komplizierter als „zu viel“ oder „zu wenig“ Kaum eine Diskussion über große Wildtiere kommt ohne sehr einfache Antworten aus. Die Natur hält sich nur leider selten daran. Hohe Rotwilddichten können erhebliche Schäden an jungen Waldbeständen verursachen. Gleichzeitig können intensive Störungen, fehlende Äsungsflächen, zerschnittene Lebensräume und hoher Jagddruck dazu führen, dass Tiere offene Bereiche meiden und sich auf kleinere Waldflächen konzentrieren. Deshalb reicht es nicht, ausschließlich über Abschusszahlen zu sprechen. Modernes Rotwildmanagement muss Population, Lebensraum, Waldentwicklung, Landwirtschaft, Wanderkorridore, Ruhebereiche und menschliche Freizeitnutzung gemeinsam betrachten. Wo Rotwild ausreichend Raum, Nahrung und Ruhe findet, kann sich sein Verhalten deutlich von Populationen unterscheiden, die fast ausschließlich nachts offene Flächen nutzen und den Tag versteckt im Wald verbringen. Wildtiere müssen nicht ständig sichtbar sein Vielleicht ist genau das eine wichtige Erkenntnis. Wir haben uns daran gewöhnt, Natur erleben zu wollen, wann und wo es uns gerade passt. Tiere sollen möglichst am Weg stehen, für Fotos verfügbar sein und sich gleichzeitig bitte so verhalten, als wären wir gar nicht da. Natur funktioniert anders. Manchmal steht man stundenlang draußen und sieht keinen einzigen Hirsch. An einem anderen Morgen tritt plötzlich ein Tier aus dem Nebel, bleibt für wenige Augenblicke sichtbar und verschwindet wieder. Gerade diese Unberechenbarkeit macht solche Begegnungen besonders. Respekt statt Romantik Der Rothirsch braucht weder Verklärung noch Dämonisierung. Er ist weder der märchenhafte Herrscher des Waldes noch einfach nur ein Verursacher von Waldschäden. Er ist ein hochentwickeltes, soziales und anpassungsfähiges Wildtier, das seit Jahrtausenden Bestandteil unserer europäischen Landschaft ist. Wer seine Lebensweise versteht, betrachtet auch manche Diskussion über Rotwild anders. Denn viele Probleme, die wir heute dem Rothirsch zuschreiben, entstehen nicht allein durch das Tier. Sie entstehen dort, wo seine natürlichen Bedürfnisse auf eine Landschaft treffen, die wir Menschen bis in den letzten Winkel aufgeteilt, bewirtschaftet, bebaut und für unsere Freizeit erschlossen haben. Vielleicht beginnt vernünftiger Umgang mit Wildtieren deshalb mit einer ziemlich einfachen Erkenntnis: Nicht jeder Quadratmeter Natur muss jederzeit uns Menschen gehören. Manchmal sollten wir einfach Abstand halten, beobachten und den Tieren den Raum lassen, den sie brauchen. © 2026 Mirko Fuchs   [...]
September 10, 2026Ein beeindruckendes Naturschauspiel im frühen Herbst Wenn der September beginnt, die Tage langsam kürzer werden und sich die ersten Blätter verfärben, beginnt in unseren Wäldern eine der eindrucksvollsten Zeiten des Jahres: die Brunft der Rothirsche. Schon aus großer Entfernung kann man sie hören. Tiefe, langgezogene Rufe tragen durch die morgendliche oder abendliche Stille. Das Röhren der Hirsche gehört zu den markantesten Lauten unserer heimischen Wildnis und kündigt eine kurze, aber äußerst intensive Phase im Leben des Rotwildes an. Röhren, Imponieren und Rivalen auf Abstand halten Während der Brunft dreht sich für die männlichen Rothirsche vieles um die weiblichen Tiere. Die Hirsche versuchen, Konkurrenten auf Abstand zu halten und ihre eigene Stärke zu demonstrieren. Dabei spielt das Röhren eine wichtige Rolle. Es dient nicht einfach nur dazu, möglichst viel Lärm im Wald zu veranstalten. Anhand der Rufe können sich rivalisierende Hirsche gegenseitig einschätzen. Hinzu kommen Imponierverhalten, Körperhaltung und die unmittelbare Beobachtung möglicher Konkurrenten. Nicht jede Begegnung endet deshalb in einem Kampf. Reicht das Imponieren jedoch nicht aus und treffen ähnlich starke Rivalen aufeinander, kann es ernst werden. Dann prallen die Geweihe aufeinander, werden gegeneinander gedrückt und miteinander verhakt. Was aus sicherer Entfernung spektakulär aussieht, ist für die Tiere ein enormer Kraftakt und keineswegs ungefährlich. Besonders eindrucksvoll in der Morgen und Abenddämmerung Am intensivsten lässt sich die Brunft häufig in den frühen Morgenstunden und am Abend erleben. Wenn der Wald weitgehend ruhig ist, kann das tiefe Röhren erstaunlich weit tragen. Manchmal hört man einen Hirsch lange, bevor man ihn überhaupt zu Gesicht bekommt. Gerade das macht den besonderen Reiz aus. Es ist eben kein inszeniertes Schauspiel mit festen Anfangszeiten. Die Tiere bestimmen, was geschieht. Der Mensch ist bestenfalls stiller Beobachter. Die Brunft findet in Deutschland überwiegend im September und bis in den Oktober hinein statt. Wann sie ihren Höhepunkt erreicht, kann sich regional unterscheiden und unter anderem von Witterung, Lebensraum und den jeweiligen Tieren abhängen. Für die Hirsche eine enorme Belastung So beeindruckend die Brunft für uns Menschen ist, für die Hirsche bedeutet sie vor allem Stress und einen enormen Energieverbrauch. Starke Hirsche sind während dieser Wochen viel unterwegs, halten andere Hirsche im Blick, begleiten weibliche Tiere und investieren viel Kraft in Röhren, Imponierverhalten und mögliche Auseinandersetzungen. Gleichzeitig tritt die Nahrungsaufnahme zeitweise deutlich in den Hintergrund. Entsprechend können die Tiere während der Brunft erheblich an Gewicht und Energiereserven verlieren. Diese Reserven müssen anschließend wieder aufgebaut werden, bevor der Winter beginnt. Beobachten ja, stören nein Wer die Hirschbrunft einmal selbst erlebt hat, vergisst dieses Erlebnis kaum. Gerade deshalb sollte der Respekt vor den Tieren an erster Stelle stehen. Es braucht weder den Versuch, für ein Foto möglichst nah heranzukommen, noch irgendwelche Störungen, um einen Hirsch zu einer Reaktion zu bewegen. Ein gutes Fernglas oder ein Teleobjektiv leisten wesentlich bessere Dienste als übertriebener Ehrgeiz. Besucher sollten auf vorgesehenen Wegen und Beobachtungsplätzen bleiben, sich ruhig verhalten und ausreichend Abstand halten. Hunde gehören an die Leine.  Ein Stück Wildnis, das noch geblieben ist Die Hirschbrunft erinnert jedes Jahr daran, dass unsere Wälder nicht nur Wirtschaftsraum, Freizeitgelände oder Kulisse für den Menschen sind. Sie sind vor allem Lebensraum. Wenn an einem kühlen Septembermorgen Nebel zwischen den Bäumen liegt und plötzlich das tiefe Röhren eines Rothirsches durch den Wald zieht, bekommt man eine Ahnung davon, wie eindrucksvoll heimische Natur sein kann, wenn man ihr Raum und Ruhe lässt. Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Faszination der Hirschbrunft: Man muss nichts inszenieren und nichts hinzufügen. Man muss nur still genug sein, um sie erleben zu können. Fotos: Mirko Fuchs   [...]
Mai 17, 2026Philippsbuche – Wenn die alten Haine wieder rufen, wo unsere Ahnen einst ehrten. Am „Naturdenkmal Philippsbuche“ erwacht still der uralte Instinkt unserer Vergangenheit. Unter den weit ausladenden Ästen einer ehrwürdigen Buche, wo das Licht sanft durch das Blätterdach tanzt, ist ein „Steinedorf“ entstanden. Liebevoll bemalte Steine, versehen mit Botschaften, Wünschen und Gedanken, wurden behutsam wie kleine Opfergaben niedergelegt. Doch wer genauer hinsieht, erkennt mehr als ein modernes Gemeinschaftswerk. Denn lange bevor Kirchtürme den Himmel prägten, waren solche Orte heilige Haine mit mächtigen Bäumen, naturbelassene Kultstätten, an denen unsere Ahnen verweilten. Unter rauschenden Kronen, ehrte man die alten Götter, suchte Rat bei den Kräften der Natur und hinterließ Opfergaben, darunter auch bemalte oder mit Runen verzierte Steine. Bäume galten als Tore zwischen den Welten, als lebendige Säulen zwischen Himmel, Erde und dem Reich der Ahnen. So ruht nun unter der Buche mehr als nur Stein und Farbe. Es ist ein stilles Bekenntnis dazu, dass in unserer modernen Welt die Sehnsucht nach Verwurzelung niemals ganz versiegt ist. Das „Steinedorf“ ist nicht nur ein kreativer Ort, sondern auch ein zärtliches Wiedererwachen alter Bräuche, eine Verneigung vor der lebendigen Seele der Natur, dem Erbe unserer Ahnen und eine leise Erinnerung daran, dass unsere Wurzeln tiefer im Heidentum ruhen, als uns manchmal bewusst ist. Die alten Pfade sind nicht vergessen. Traditionen überdauern nicht in Tempeln oder Schriften allein, sondern verborgen im menschlichen Urinstinkt. Die Verbindung zwischen Mensch, Natur und den Göttern. Sie lebt leise, beständig und manchmal überraschend bunt. Zwischen alten Bäumen und den Stimmen vergangener Zeit ist das alte Blut erwacht. „Mögest du unter dem wachsamen Blick der alten Götter wandeln, gesegnet von Sonne, Mond und Mutter Erde.“ Text: Susanne Fuchs Fotos: Susanne Fuchs   [...]
November 3, 2025Wie die Kirche aus Hubertus einen „Patron der Jagd“ machte Die Kirche hat ein bemerkenswertes Talent: Aus Legenden werden Wahrheiten, aus Märchen Moral, und aus einem Bischof – ein Schutzheiliger der Jäger. Der sogenannte „Heilige Hubertus“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie sich religiöse Erzählungen über Jahrhunderte zu PR-Märchen verfestigen. Denn historisch gesehen war Hubertus von Lüttich nie ein Schutzpatron der Jagd. Der Mann war Bischof, nicht Waidmann. Er hat keine Jagd verherrlicht, keine Trophäen gesegnet, und ganz sicher keine Hirsche mit leuchtendem Kreuz zwischen dem Geweih gesehen. Diese Szene, die in zahllosen Kirchenfenstern und Jagdzimmern dargestellt ist, wurde erst Jahrhunderte nach seinem Tod erfunden – wahrscheinlich von Mönchen, die das Heidentum mit christlichen Geschichten übertünchen wollten. Die Figur des Hubertus war ursprünglich Teil einer Bekehrungslegende: Ein Jäger trifft in der Wildnis auf ein göttliches Zeichen, erkennt die Sünde der Maßlosigkeit und wendet sich dem Glauben zu. Ein gutes Gleichnis – aber kein Freibrief für die Jagd. Trotzdem machte die Kirche daraus ein bequemes Symbol: den „Heiligen der Jäger“. Ein Heiliger, der das Töten von Tieren adelt und den Schuss mit einer Segnung versieht. So entstand über die Jahrhunderte ein massentauglicher Mythos: Hubertus, der Heilige mit Horn und Hund, das christliche Feigenblatt für ein altes, tief heidnisches Ritual. In Wahrheit diente die „Hubertuslegende“ eher dazu, die Jagdtraditionen des Adels zu christianisieren – also Macht mit Moral zu tarnen. Wer heute Hubertusmessen feiert, ehrt also keine historische Figur, sondern ein kirchliches Konstrukt. Die Kirche hat aus einem Bischof einen Jäger gemacht, aus einer Mahnung eine Verklärung. Und das nennt man dann Glaubenstradition. Hinweis: Dieser Text stellt eine persönliche Meinungsäußerung im Sinne von Art. 5 GG dar. Er basiert auf historischen Quellen und religionsgeschichtlicher Forschung, erhebt aber keinen Anspruch auf theologische Verbindlichkeit. Keine kirchliche oder juristische Beratung. © 2025 Mirko Fuchs Foto: KI-generiert   [...]
Oktober 25, 2025Wenn Jagdinteressen den gesunden Menschenverstand überholen Auf mittelhessen.de wurde jüngst ein Artikel veröffentlicht, in dem Jäger und Polizei erklären, wie sie mit Duftzäunen, Reflektoren und Warnschildern die Zahl der Wildunfälle in Mittelhessen senken wollen. Klingt nach Fürsorge für die Natur, ist aber in Wahrheit ein Paradebeispiel dafür, wie man sich selbst zum Helden einer Geschichte macht, deren Ursachen man zum großen Teil selbst schreibt. Wer ehrlich hinsieht, erkennt schnell: Nicht die Spaziergänger mit Hunden oder der Mountainbiker im Morgengrauen treiben Rehe panisch auf die Straße. Es sind die nächtlichen Jagden selbst, die Schüsse im Wald, das ständige Stören der natürlichen Rückzugsräume. Wer Tiere über Monate bejagt, braucht sich nicht zu wundern, wenn sie sich unberechenbar verhalten. Wildtiere kennen keine Schonzeit, wenn überall Menschen mit Gewehr und Jagdtrieb unterwegs sind. Dass Jäger ausgerechnet jetzt, mitten im Herbst, mit dem Finger auf „andere“ zeigen, ist bezeichnend. Jogger mit Stirnlampen als Hauptverursacher? Ernsthaft? Dabei sind es doch gerade die groß angelegten Drückjagden, bei denen Wild in Panik kilometerweit flüchtet und eben auch über Straßen. Der Appell „Fuß vom Gas“ wirkt da wie eine moralische Beruhigungspille, wenn man selbst Teil des Problems ist. Hinzu kommt: Seit dem Bau der Zäune gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) werden natürliche Wildwechsel massiv gestört oder ganz abgeschnitten. Tiere, die über Generationen hinweg feste Routen genutzt haben, stoßen plötzlich auf unüberwindbare Barrieren und werden auf wenige offene Stellen konzentriert. Genau dort steigt dann das Risiko von Kollisionen. Statt die Wege der Tiere zu verstehen und zu schützen, verengt man sie künstlich und wundert sich anschließend über steigende Unfallzahlen. Und das Gerede vom „zu hohen Wiesenbewuchs“ an Straßenrändern – nett. Nur wurde genau dieser Bewuchs in den letzten Jahren aus Naturschutzgründen bewusst stehen gelassen, um Insekten, Vögeln und Kleintieren Lebensraum zu geben. Jetzt soll er wieder weggemäht werden, weil der Blick auf ein Reh angeblich zu spät kommt? Das ist Ökologie nach der Motorsense. Die Statistik mit „28.000 Wildunfällen“ klingt beeindruckend, doch sie zeigt vor allem eines: das völlige Versagen eines Systems, das einerseits Tiere überpopulationieren lässt, weil sie als „Beute“ gelten, und andererseits bei Schäden die Schuld auf Autofahrer und Radler schiebt. Wer jedes Jahr Millionen Tiere „hegt und pflegt“, um sie dann zu schießen, kann schlecht den Moralapostel geben, wenn es mal kracht. Ein wirklicher Ansatz wäre, Wildtierkorridore auszubauen, Querungshilfen an neuralgischen Punkten zu schaffen und Jagddruck zu verringern, statt Duftbäume an Leitpfosten zu hängen oder Zäune zu errichten, die die Tierwelt zerteilen. Doch das ist mühselig und bringt keine Trophäen. Die Wahrheit ist unbequem: Solange die Jagd als Freizeitvergnügen und Machtsymbol betrieben wird, bleibt sie Teil des Problems, nicht der Lösung. Disclaimer: Dieser Artikel stellt eine freie, durch Art. 5 Abs. 1 GG geschützte Meinungsäußerung dar. Er dient der gesellschaftlichen Diskussion über den Umgang mit Wildtieren, Jagdpraktiken und Verkehrssicherheit. Er erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und ersetzt keine fachliche Beratung. Alle genannten Personen und Institutionen werden im Rahmen zulässiger Kritik erwähnt. © 2025 Mirko Fuchs Foto: KI-generiert   [...]